Part 2: Warum Gnocchi mit Pesto die Lebensqualität verbessern

Zugegeben, der Titel verspricht Verwirrung zu stiften. Warum er trotzdem keine Magenverstimmung beschert, sondern dir einen besseren Einblick in unseren Büroalltag zu geben vermag, erfährst du jetzt:

Jeden Mittag kocht jemand bei uns aus dem Büro. Ja, wirklich. Wir kommen jeden Mittag zusammen und quatschen über dies und jenes, erfahren Geschichten über die „alten Zeiten“, neuen Schusseligkeiten und Urlaubspläne, die manchmal auch scheitern.

Kein Anstehen in unpersönlichen Kantinen, Entscheidungsneurosen beim Lieferservice oder Warten, während die Mikrowelle gemächlich ihre Tellerrunden zieht und surrt.

Am Montag beim Gesamtteammeeting melden wir uns sogar freiwillig, um an einem Tag den Kochlöffel zu schwingen.

Einmal aus Versehen die Hand gehoben und schon ist man für das leibliche Wohl von vier bis 16 Personen verantwortlich. Denn je nachdem, welche Projekte gerade im Büro die Werbetrommel rühren, kommen da schon einige hungrige Mäuler zusammen. Dann muss man sich überlegen: Wer isst was nicht (ja, hierfür gibt es tatsächlich auch eine Liste bei uns), welche Konsistenz darf es heute geben und wie verleihe ich dem Ganzen eine leckere Note?

Der Wahnsinn am Kochtag startet dann schon beim Einkauf: Bei unserem Supermarkt des Vertrauens, liebevoll auch „Ghetto-Netto“ genannt, muss man sich zwischen engen Regalen, schmulenden Menschen und langen Warteschlangen in Geduld üben und die Armmuskeln spielen lassen, denn mit dem Einkaufswagen hat man hier kaum eine Chance durch die engen Gänge zu kommen.

 

Endlich alle geschmackvollen Waren auf dem langsam stöckelnden Band drapiert, kann es sich dann nur noch um eine kleine Ewigkeit handeln bis man dran ist. Denn die Kassiererinnen mit ihrem barschen Ton sind zwar schneller als jede Ansage im öffentlichen Nahverkehr, aber die Menschen am Ende des Bandes brauchen oft ewig, um zu verstehen, dass der Plastikpfand in den Automaten gehört, sie gerne auch passend bezahlen dürfen, aber eben in Euro und im Laden erworbene Sachen nicht schon vor dem Bezahlen vernascht werden dürfen. Manchmal versuchen ganz dreiste Gestalten auch mit sechs Bier an der Kasse vorbeizulaufen. Unbezahlt. Und wundern sich dann, wenn sie darauf angesprochen werden: „Ach so die (Hände mit Bierflaschen hebend), die muss ich ja noch bezahlen…hab ich vergessen…“ Das kann ja schon mal passieren ;).

Hat man es dann endlich zur rot gekleideten Kassiererin mit Jogginghose geschafft, ist diese schon völlig entnervt und weist oft mit einem kleinen Kopfwink nach links auf die gefährliche Säule gegen die schon so viele Menschen gerannt sein müssen, dass sich mittlerweile ein fett rot markiertes „ACHTUNG PFEILER“ Schild an diesen schmiegt.

Aus dem Kellermarkt entkommen, einmal rechts über die nächste Kreuzung mit Baustelle und schon steht man wieder vorm Büro und kann die Treppen nach oben hechten. Bis ins Dachgeschoss. Schnauf, schnauf.

Gerade für die „Nichtköche“ unter uns (und so richtig talentiert sind die wenigstem von uns) ist das gar nicht immer so einfach, sich passende Gerichte auszudenken.

Unter anderem deswegen habe ich mir seit meinem Einstieg im Dezember vergangenen Jahres notiert, was es wann gibt, wer gefühlt am liebsten kocht und bei welchen Gerichten die Augen größer als der Mund sind.

Und siehe da: Das am öftesten verspeiste Gericht ist (#Trommelwirbel) „Gnocchi mit Pesto“.

Unsere Geheimwaffe gegen knurrende Mägen und für satte Gesichter. Klar, mit zwei Sorten Pesto, leckerem Parmesan und noch ein bisschen was Frischem in Salatform ist für jeden etwas dabei und außerdem kostet es auch noch wenig Zeit das Ganze anzurichten. Dazu kommt: Der Schwierigkeitsgrad ist hier wirklich gering. Vorausgesetzt, man verquatscht sich nicht, während die  Gnocchis immer höher an die Oberschwelle ihres, mit kochendem Salzwasser gefüllten, Topfes krabbeln. So wie ich gestern. Dann gib es einen Kartoffelnudelbrei, über den man aber immerhin lachen kann.

Und warum steigert ausgerechnet das nun die Lebensqualität?

Weil Eigenlob manchmal auch nicht stinkt, denn ganz im Ernst, wo melden sich Leute denn freiwillig zum Kochen für die Kollegen und haben dabei auch noch Spaß? Und wo kann man so harmonisch im Team zusammensitzen ohne dass die ganze Zeit aufs Handy gestarrt und andauernd auf die Uhr geguckt wird, weil die Mittagspause schon gefühlt um 30 Sekunden überschritten wurde?

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